Inspiration aus Nordrhein-Westfalen
Zahlreiche engagierte Kulturakteur:innen in Nordrhein-Westfalen sorgen dafür, dass nachhaltiges Handeln zum Alltag vieler Kultureinrichtungen gehört. In dieser Kategorie stellen wir Ihnen gute Beispiele vor. Es geht um strukturelle Ansätze und konkrete Projekte, um ressourcenschonende Konzepte und spannende Energie- und Mobilitätslösungen.
Die Beispiele stammen aus dem kultur-klima-Netzwerk, von kleinen soziokulturellen Zentren bis zu großen Museen. Sie zeigen, was in der Praxis funktioniert, und sollen Mut machen, eigene Ideen zu entwickeln.
Konzerthaus Dortmund
Nachhaltigkeit im Kulturbetrieb wirksam verankern
Ökologische Nachhaltigkeit ist im Kulturbereich längst mehr als nur eine Frage symbolischer Maßnahmen oder punktueller Projekte. Angesichts steigender Energiepreise, wachsender gesellschaftlicher Erwartungen und knapper werdender Ressourcen wird sie zunehmend zur strategischen Managementaufgabe, die in Betriebsabläufe, Investitionsentscheidungen und den Arbeitsalltag hineinwirkt. Besonders wirksam sind dabei Maßnahmen, die ökologische Wirkung und wirtschaftliche Vernunft miteinander verbinden. Dabei stehen Kulturinstitutionen vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen ihren ökologischen Fußabdruck wirksam reduzieren und zugleich Menschen für Veränderungsprozesse gewinnen – innerhalb der Organisation ebenso wie beim Publikum.
Wie ein solcher Ansatz in der Praxis aussehen kann, zeigt das Konzerthaus Dortmund. Das Konzerthaus konzentriert sich bewusst auf Bereiche mit hoher Hebelwirkung – insbesondere Energie, Mobilität und Ressourcenmanagement – und verbindet diese mit einem hohen Maß an Beteiligung und Sichtbarkeit. Nachhaltigkeit wird dabei nicht als Verzichtprogramm verstanden, sondern als gemeinsamer Entwicklungsprozess, der langfristig in der Organisationskultur verankert wird.
Die großen Hebel: Technische Infrastruktur
Besonders deutlich wird der Ansatz der datenbasierten Maßnahmenergreifung im Bereich der technischen Infrastruktur. Das Konzerthaus setzt auf Maßnahmen, die ökologische Wirkung und wirtschaftliche Nachhaltigkeit miteinander verbinden: optimierte Heiz- und Beleuchtungszeiten sowie die Digitalisierung von Prozessen reduzieren Ressourcenverbrauch und Betriebskosten zugleich. Die technische Infrastruktur wird dabei Teil eines pragmatischen Gesamtansatzes: Ziel ist es, vorhandene Ressourcen effizienter zu nutzen, Emissionen zu reduzieren und Nachhaltigkeitsmaßnahmen möglichst sinnvoll in den Betrieb zu integrieren.
Ein zentraler Hebel war dabei die vollständige Umstellung auf LED-Technik – im Bühnenbereich ebenso wie im Backstage und in den Büroräumen des Hauses. Viele dieser Veränderungen finden weitgehend unbemerkt vom Publikum statt. Gerade darin liegt ihre besondere Stärke: Nachhaltigkeit wird nicht als Einschränkung des Kulturerlebnisses wahrgenommen, sondern als intelligente Optimierung im Hintergrund. Ergänzt werden diese Maßnahmen durch den Bezug von Ökostrom als wichtigen Baustein zur Reduktion der eigenen Emissionen.
Ein Schlüsselprojekt ist die 2023 installierte Second-Life-Photovoltaikanlage. Die generalüberholte Anlage deckt etwa zehn Prozent des Strombedarfs des Hauses. Besonders bemerkenswert ist der ressourcenschonende Ansatz: Sowohl die Solarmodule als auch die Batteriespeicher wurden wiederaufbereitet beziehungsweise als B-Ware-Zellen weitergenutzt, anstatt entsorgt zu werden. Damit verbindet das Projekt Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und wirtschaftliche Vernunft auf exemplarische Weise.
Mobilität: Emissionen dort reduzieren, wo sie entstehen
Mobilität gehört zu den wichtigsten, zugleich aber auch zu den schwierigsten Handlungsfeldern im Kulturbereich. Anders als bei technischen oder infrastrukturellen Maßnahmen lassen sich Emissionen hier nur bedingt direkt steuern, da sie stark vom Verhalten und den individuellen Entscheidungen des Publikums, der Künstler:innen und Mitarbeitenden abhängen. Gleichzeitig zeigt die Klimabilanz des Konzerthauses, dass Mobilität einen erheblichen Anteil der Gesamtemissionen verursacht. Dass mehr als zwei Drittel des Publikums trotz guter innerstädtischer Anbindung des Konzerthauses für die Anreise das Auto nutzt, ist ein Hinweis darauf, wie langfristig und kontinuierlich an diesem Handlungsfeld gearbeitet werden muss. Entsprechend konsequent richtet das Haus auch Maßnahmen auf diesen Bereich aus.
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Alltagsmaßnahmen sichtbar machen
Neben den großen infrastrukturellen Hebeln verfolgt das Konzerthaus bewusst auch Maßnahmen im Alltag des Betriebs. Wasserspender reduzieren Transport- und Verpackungsaufwand, verbesserte Mülltrennung erleichtert ressourcenschonendes Verhalten im Arbeitsalltag und im konzerthauseigenen Restaurant Stravinski wurde das Angebot an vegetarischen Speisen ausgebaut. Auch die seit April 2026 auf dem Dach angesiedelten Bienenvölker gehören zu diesen sichtbaren Maßnahmen im Alltag. Sie leisten nicht nur einen Beitrag zu Biodiversität mitten in der Innenstadt, sondern machen das Thema Nachhaltigkeit für Mitarbeitende, Künstler:innen sowie das Publikum unmittelbar erfahrbar.
Nachhaltigkeit gemeinsam verankern
Gerade diese Maßnahmen spielen für die kulturelle Verankerung des Themas eine wichtige Rolle. Sie schaffen Berührungspunkte für Mitarbeitende und Gäste, machen Nachhaltigkeit sichtbar und erfahrbar und fördern eine positive Identifikation mit dem Transformationsprozess. Unterstützt wird dieser Prozess durch eine hausinterne Taskforce, in der Mitarbeitende aus unterschiedlichen Abteilungen zusammenkommen, um neue Maßnahmen zu entwickeln, Erfahrungen auszutauschen und das Thema kontinuierlich im Arbeitsalltag präsent zu halten.
Vom Zusatzthema zum Selbstverständnis
Dabei zeigt sich auch im Konzerthaus eine Realität vieler Nachhaltigkeitsprozesse: Die kontinuierliche Weiterentwicklung des Themas wird von einzelnen engagierten Mitarbeitenden getragen, die Nachhaltigkeit zusätzlich zu ihren eigenen Themen vorantreiben. Dadurch besteht die Gefahr, dass das Thema im Alltag immer wieder depriorisiert wird, sobald andere Aufgaben in den Vordergrund rücken. Nachhaltigkeit soll deshalb als positives Qualitäts- und Gemeinschaftsprojekt kommuniziert werden, das über eine reine Verzichtserzählung hinausgeht. Nur so kann sie sich langfristig zu einem festen Bestandteil der Arbeit und des Selbstverständnisses des Konzerthauses entwickeln.
Zertifizierungen und Netzwerke: Das Thema Nachhaltigkeit dauerhaft verankern
Mit der Teilnahme an dem durch das Umweltministerium NRW geförderten Programm Ökoprofit hat das Konzerthaus seine Nachhaltigkeitsstrategie zusätzlich institutionell abgesichert. Darüber hinaus engagiert es sich als aktiver Partner in verschiedenen regionalen Nachhaltigkeits-Netzwerken, wie Green Culture Dortmund oder dem Konsultationskreis Energieeffizienz und Klimaschutz der Stadt Dortmund.
Der Austausch mit anderen (Kultur-)Institutionen schafft nicht nur Wissenstransfer, sondern hält das Thema dauerhaft präsent. Genau darin liegt ein wesentlicher Erfolgsfaktor nachhaltiger Transformation: Nachhaltigkeit wird nicht als zeitlich begrenztes Projekt verstanden, sondern als kontinuierlicher Entwicklungsprozess, der immer wieder neue Impulse, Beteiligung und Sichtbarkeit benötigt. So entsteht am Konzerthaus Dortmund Schritt für Schritt eine Organisationskultur, in der Nachhaltigkeit eng mit dem künstlerischen Auftrag verbunden ist und Teil des Selbstverständnisses wird.