Unterstützung für eine nachhaltige Gastronomie
Das geförderte Projekt Transformation im Gastgewerbe unterstützt Betriebe in Nordrhein‑Westfalen dabei, sich in den Bereichen Nachhaltigkeit und Digitalisierung zukunftsfähig aufzustellen. Gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie NRW. Dadurch ist es nicht‑kommerziell ausgerichtet und ermöglicht allen gastgewerblichen Betrieben – auch jene, die in kulturellen Einrichtungen eingebettet sind, – eine kostenfreie Teilnahme. Denn gerade dort, wo Menschen essen, trinken oder miteinander ins Gespräch kommen, entstehen Orte, die Kultur erlebbar machen und soziale Teilhabe ermöglichen. Genau hier setzen nachhaltige Prozesse an – sichtbar, alltagsnah und mit einer Wirkung, die weit über das gastronomische Angebot hinausgeht. Damit allein ist es aber noch nicht getan. Es gibt eine Vielzahl von Institutionen, die Betriebe auf ihrem Weg in eine nachhaltige Zukunft begleiten. Dazu zählt auch die NRW.BANK. Sie schafft den Zugang zu passenden Finanzierungs- und Fördermitteln, die Investitionen erleichtern: in moderne und effiziente Technik, in Maßnahmen zur Energieeinsparung oder in digitale Weiterentwicklungen, die den Arbeitsalltag spürbar erleichtern. Gerade kleine und mittlere Betriebe profitieren davon, weil sie Transformation nicht komplett aus eigener Kraft stemmen müssen. Einen Einblick in die verschiedenen Förderangebote bietet ihre Website [1].
Nachhaltigkeit beginnt im Team
Doch nachhaltige Veränderung entsteht nicht nur durch Fördermittel oder neue Technik, sondern auch durch Menschen. Ein Beispiel dafür sind Green Teams, engagierte Gruppen von Mitarbeitenden, die in Betrieben die Transformation vorantreiben. Die Alanus Hochschule, Planetgroups und NELA – Next Economy Lab haben dafür ein deutschlandweit wachsendes Netzwerk geschaffen, das Austausch, Unterstützung und Inspiration ermöglicht. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus). Weitere Informationen finden sich auf der offiziellen Website des Netzwerks [2].
Auch das kultur-klima Netzwerk bietet Kultur-Akteur:innen in Nordrhein-Westfalen Raum, sich zu vernetzen und gemeinsam nachhaltige Lösungen weiterzuentwickeln [3]. Beide Netzwerke machen deutlich, wie wichtig der Blick über den eigenen Betrieb hinaus ist, denn Transformation gelingt leichter, wenn Erfahrungen geteilt und Ideen gemeinsam weitergedacht werden. Gerade für gastronomische Betriebe in kulturellen Einrichtungen ist dieser Ansatz besonders wertvoll. Der enge, tägliche Kontakt mit den Gästen macht unmittelbar sichtbar, wo nachhaltige Lösungen wirken, wo sie gebraucht werden und wie sie das kulturelle Erlebnis bereichern können. Solche Netzwerke zeigen eindrucksvoll, wie Veränderung aus der Mitte eines Unternehmens entstehen kann: praxisnah, motiviert und getragen von Menschen, die Nachhaltigkeit im Alltag leben wollen.
Treibhausgasbilanzierung als Grundlage für Veränderung
Damit gastronomische Betriebe in Kultureinrichtungen nicht nur intuitiv nachhaltig handeln, sondern gezielt wirksame Maßnahmen umsetzen, brauchen sie verlässliche, messbare Daten. Eine Treibhausgasbilanz macht sichtbar, wo Emissionen entstehen und welche Bereiche den größten Hebel haben, vom Einkauf und der Energie über das Speisenangebot bis hin zu Abfallmanagement, Logistik und der technischen Ausstattung im Betrieb. Erst durch diese Transparenz wird klar, wo Veränderungen wirklich Wirkung zeigen können.
Für einen ersten Überblick über das Thema Treibhausgasbilanzierung bietet die Klimabilanzierungsseite von kultur‑klima eine verständliche Einführung – von der Frage, was eine Bilanz überhaupt ist, bis hin zu ihrer Erstellung und der sinnvollen Nutzung der Ergebnisse [4]. Alternativ dazu stellt das ecocockpit: Tool zur Treibhausgasbilanzierung - efa NRW ein kostenfreies Tool bereit, mit dem Betriebe erste eigene Daten erfassen und zentrale Emissionsquellen sichtbar machen können [5].
Die kulturelle Kraft der Gastronomie
Gastronomie kann weit mehr sein als eine funktionale Ergänzung des Kulturerlebnisses. Sie kann diese Erlebnisse erweitern, vertiefen oder sogar selbst Teil der kulturellen Erzählung werden. Wenn Menschen nach einer Vorstellung im Theaterfoyer zusammenkommen, wenn sie im Museumscafé über eine Ausstellung diskutieren oder wenn sie im Freilichtmuseum regionale Speisen genießen, entstehen soziale Momente, die Kultur zugänglich und erlebbar machen. Gastronomie schafft Emotionen und Begegnungen – genau darin liegt ihre kulturelle Kraft.
Darauf verweist auch der Ernährungsreport 2025 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, der zeigt, wie stark Nachhaltigkeitsaspekte das Konsumverhalten prägen. Eine Gastronomie kann diese Kraft verstärken, weil sie Werte transportieren kann, die viele Besuchende heute bewusst einfordern: Transparenz, Verantwortung, Regionalität, faire Bedingungen und ressourcenschonende Entscheidungen [6].
Der erste Schritt zur nachhaltigen Gastronomie
Für gastronomische Betriebe in Kultureinrichtungen stellt sich dabei die Frage: Wo fange ich konkret an? Oft sind es einfache Schritte, die sofort Wirkung zeigen. Ein bewusster Blick auf den eigenen Status quo hilft bereits weiter: Welche Prozesse verursachen unnötigen Verbrauch? Wo laufen Geräte dauerhaft, obwohl es gar nicht nötig wäre? Schon kleine Anpassungen können Ressourcen sparen, etwa Spülmaschinen nur voll beladen zu starten, tropfende Wasserhähne oder undichte Toilettenspülungen zu beheben, Kühlgeräte bedarfsgerecht einzustellen oder Reinigungsmittel auf umweltzertifizierte Alternativen umzustellen. Zusätzlich lohnt sich ein kritischer Blick auf Einkaufsroutinen und Abfallmanagement, denn gerade hier können Gastronom:innen schnell spürbare Einsparungen erzielen. Viele weitere Maßnahmen lassen sich individuell auf den jeweiligen Betrieb zuschneiden, dazu informieren wir gerne in einem persönlichen Gespräch.
Nachhaltigkeit wirkt dabei immer auf mehreren Ebenen zugleich: ökologisch, weil regionale Produkte, pflanzenbetonte Küchen, Mehrwegsysteme oder energiesparende Prozesse den ökologischen Fußabdruck deutlich senken; sozial, weil faire Arbeitsbedingungen, inklusive Angebote und barrierefreie Räume soziale Teilhabe ermöglichen; und wirtschaftlich, weil nachhaltige Betriebe langfristig resilienter sind, stabilere Lieferbeziehungen haben, effizienter wirtschaften und eine klare Positionierung gegenüber Gästen entwickeln. Für Kulturinstitutionen bedeutet dies nicht nur höhere Qualität und Verlässlichkeit im gastronomischen Angebot, sondern auch eine stärkere Bindung zu ihren Besuchenden. Kein Betrieb ist zu klein oder zu komplex, um nachhaltige Schritte zu gehen. Die vorhandenen Tools, Netzwerke und Fördermöglichkeiten machen deutlich, dass Transformation nicht allein bewältigt werden muss. Sie ist möglich, machbar und oft leichter umzusetzen, als es auf den ersten Blick scheint. Und sie lohnt sich – für die Betriebe selbst, für die Besuchenden, für die kulturellen Einrichtungen und für die Gesellschaft insgesamt.
Gastronomie zwischen Wandel und Begegnung – Impulse aus „Die Zukunft der Gastro“
Wie zentral dabei gerade gastronomische Räume sind, wird auch in der aktuellen Fachliteratur deutlich. Im Buch „Die Zukunft der Gastro“ zeigen Jan Scheidsteger und Oliver Leisse, wie eng gesellschaftlicher Wandel und gastronomische Angebote miteinander verknüpft sind. Sie schreiben:
„Der gesellschaftliche Wandel betrifft auch unseren Lebensstil, unser Miteinander und somit auch die Gastronomie. Die Spannungen werden steigen, es braucht Orte der Begegnung.“ [7]
Übertragen auf Kultureinrichtungen wird klar, wie essenziell gastronomische Räume dort sind. Sie schaffen genau jene Orte der Begegnung, die laut Scheidsteger und Leisse in Zukunft noch wichtiger werden: Orte, an denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen, sich austauschen und Kultur nicht nur konsumieren, sondern gemeinsam erleben. Wenn dieser Raum nachhaltig gestaltet wird, trägt er zu einer kulturellen Zukunft bei, die nicht nur künstlerisch, sondern auch ökologisch, sozial und wirtschaftlich tragfähig ist. Genau durch dieses Zusammenspiel wird spürbar, wie kraftvoll die Verbindung von Kultur und Gastronomie sein kann und wie viel Potenzial darin steckt, wenn wir Nachhaltigkeit nicht als Hürde, sondern als Chance begreifen.
Literaturverzeichnis
Onlinequellen
[1] Vgl.: NRW.BANK: Förderbank für Nordrhein‑Westfalen – Übersicht Förderangebote. URL: https://www.nrwbank.de (Stand: 23.02.2026).
[2] Vgl.: Green Teams Netzwerk: Home – GreenTeams. 2025. URL: https://greenteams-netzwerk.eco (Stand: 23.02.2026).
[3] Vgl.: Kultur‑Klima: Netzwerk. URL: https://www.kultur-klima.de/de/netzwerk/ (Stand: 23.02.2026).
[4] Vgl.: Kultur‑Klima: Klimabilanzierung. URL: https://www.kultur-klima.de/de/klimabilanzierung/ (Stand: 23.02.2026).
[5] Vgl.: Effizienz‑Agentur NRW: ecocockpit – Tool zur Treibhausgasbilanzierung. 2025. URL: https://www.efa.nrw (Stand: 23.02.2026).
[6] Vgl.: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL): Ernährungsreport 2025 – Tabellenband. 2025. URL: Deutschland, wie es isst (Stand: 23.02.2026).
Monografie
[7] Vgl.: Scheidsteger, Jan / Leisse, Oliver: Die Zukunft der Gastro. 2024, Deutscher Fachverlag. (S. 229)
Kurzvita der Autorin
Anna-Lena Krannich
Anna‑Lena Krannich ist Transformationscoach für das Gastgewerbe in NRW und verbindet ihr Studium Nachhaltiger Tourismus mit langjähriger Erfahrung in Hotellerie, Gastronomie und Eventmanagement. Ergänzt wird ihr Fachwissen durch eine Ausbildung in der Bekleidungstechnik, die ihr eine besondere Sensibilität für Materialien, Kreisläufe und ressourcenschonende Gestaltung vermittelt. In den vergangenen Jahren sammelte sie vielfältige Erfahrungen an unterschiedlichsten Stationen im Nachhaltigkeitsbereich und entwickelte dabei ein ausgeprägtes Bewusstsein für zukunftsorientiertes Denken und verantwortungsvolles Handeln. Genau diese Kombination aus Praxisnähe, Kreativität und ganzheitlicher Perspektive prägt ihre Arbeit bis heute. Mit viel Freude unterstützt sie gastgewerbliche Betriebe in NRW dabei, ihren eigenen Weg zu mehr Nachhaltigkeit zu finden – motivierend, nahbar und immer mit dem Blick darauf, was im Alltag wirklich machbar ist.
Für weitere Inspirationen und Einblicke in ihre Arbeit lohnt sich auch ein Blick auf ihren Instagram-Account.
Wer gemeinsam mit Anna-Lena Krannich oder ihrem Kollegen, Julius Materne, an nachhaltigen Lösungen arbeiten möchte, kann hier einen persönlichen Coaching-Termin vereinbaren.